Paddeln im Reich der Mitte

Auf Einladung chinesischen Kanuten war ich mit ein paar ausgewählten Sportlern des Sächsischen Kanuverbandes und meinem Trainer, Jens Kühn, im Trainingslager in China. Das Leistungssportzentrum International Guangdong Rowing & Canoeing Center befindet nahe der Stadt Guangzhou. Guangzhou liegt in der wirtschaftlich stärksten chinesischen Provinz Guangdong.

Das Center wird finanziell durch die Provinz gefördert und verfügt damit über ein erhebliches finanzielles Budget. Damit lassen sich auch die hervorragenden Trainingsbedingungen mit einer künstlich angelegten 2000m Regattastrecke, einer Turnhalle, zwei Krafträumen, Fitnessraum, Mensa und einem großem Internat erklären.

Die chinesischen Sportler in diesem Internat sind als die vermeintlich Besten der Provinz gesichtet und für das Center ausgewählt wurden. Sie kommen aus der gesamten Provinz und trainieren hier, teilweise über 1000km von ihrer Heimat und Familie entfernt. Durch diese Entfernung können die meisten Sportler über die wenigen freien Tage im Jahr nicht nach Hause fahren. Die Jüngsten unter ihnen, zwischen 14 und 17 Jahren, gehen vormittags noch zur Schule. Nach dem Schulabschluss, quasi mit 17 Jahren, trainieren sie als „Profis“ das ganze Jahr im Center. Hier ist es nicht üblich neben dem Sport einen Beruf zu erlernen oder zu studieren. Dafür hat China, denke ich, genug Menschen, um sich Profis in jeder Sportart zu leisten.

Wettertechnisch sind mit 20°C momentan bessere Paddelbedingungen als in Deutschland gegeben. Zwar mussten wir Mitte des Trainingslagers eine kleine Kältewelle mit 12° und Dauerregen hinnehmen, aber das tat unserer Trainingsmoral keinen Abbruch. Wir versuchten in diesem Trainingslager einen größeren Trainingsumfang als die letzten Jahre, mit Hinblick auf die bald bevorstehenden Abiturprüfungen, zu realisieren. Ich denke dieses Ziel ist uns über weite Strecken gut gelungen, natürlich gibt es die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit.

Das chinesische Essen, natürlich traditionell mit Stäbchen zu essen, war nahezu perfekt auf die Sportler abgestimmt. Man konnte sich immer ein Essen aus verschiedenen Hähnchenfleisch-Variationen, verschiedenem Gemüse und Reis zusammenstellen. Dazu gab es einen Jogurt und meist ein Apfel. Ausgewählte chinesische Spezialitäten, wie zum Beispiel Hühnerfuß, mussten wir natürlich auch probieren.

Unser Bewegungsfreiraum war auf das umzäunte Center begrenzt. Ausflüge in die Stadt mussten wir ankündigen, da wir für die Strecke einen Shuttle vom Center benötigten. Der Busfahrer brachte uns erstaunlicherweise, nach allen Regeln der chinesischen Fahrkunst, immer heil an unser Ziel.

In Guangzhou besuchten wir das Stadtmuseum und einige Shopping Center. Wir stellten jedoch schnell fest, dass alle Markenprodukte ungefähr preislich gleich wie in Deutschland sind.

Als Highlight des Stadtbesuchs fuhren wir auf den Canton Tower von Guangzhou. Mit einer Höhe von ca. 600m ist es das höchste Gebäude Chinas und das 2. höchste Gebäude der Welt. Leider wurden wir auf der Besucherplattform in 433m Höhe, von den Wolken des schlechten Wetters komplett eingehüllt. Wir konnten jedoch trotzdem die Kulisse der Stadt Guangzhou und der umliegenden Hügellandschaften erahnen.

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